Auf der B 181 in Merseburg hat ein herabstürzender Baum einen Laternenmast mitgerissen und die Straße blockiert.
Foto: Peter Wölk

Saalekreis -
Auf den Tag genau vor elf Jahren hat Orkan Kyrill die Region verwüstet, und am Donnerstag hat sich das Szenario mit Sturmtief Friederike wiederholt. Vier Menschen wurden dabei im Saalekreis verletzt.
Mit über 130 Kilometern pro Stunde fegte der Wind über den Kreis hinweg und versetzte ab dem frühen Nachmittag die Wehren und die Polizei in Ausnahmezustand. Unzählige Einsätze wegen umgekippter Bäume und abgedeckter Dächer waren die erste Bilanz.
In Bad Dürrenberg wurde eine Person durch herabstürzende Äste, in Döllnitz durch eine herabfallende Gerüst-Bohle verletzt. Zwei weitere Menschen wurden nach Angaben der Kreisleitstelle in Merseburg verletzt.

Die Schneise der Verwüstung lässt sich kaum erahnen und betrifft alle Orte der Region: Gegen 15 Uhr stürzte ein Baum auf die Bundesstraße 181 in Merseburg und sorgte für eine Sperrung der wichtigen Verkehrsader. In Querfurt entwurzelten die Böen unter anderem einen Baum in der Geistpromenade. In Bad Lauchstädt hob der Wind Platten des gerade erst sanierten Dachs des Goethe-Theaters an. Ein größerer Schaden entstand dabei zunächst jedoch nicht. In Mücheln wurde zudem das Dach eines Autowerkstatt abgedeckt.

In Bad Dürrenberg wurden große Teile des Rathausdaches abgerissen und flogen wild umher. Bürgermeister Christoph Schulze (CDU) hoffte am Abend nur, dass es nicht regnen würde. Technik und Daten wurden vorsorglich gesichert. Das genaue Ausmaß war jedoch bei Einbruch der Dunkelheit nicht zu erkennen.
Unwetter über Saalekreis: Stromausfall in 7.000 Haushalten
Unterdessen haben die Feuerwehrleute in Kauern bei Tollwitz mit brennenden Bäumen zu kämpfen gehabt, die sich durch eine abgerissene Stromleitung entzündet hatten. Tollwitz war über mehrere Stunden ohne Strom. Insgesamt, so bestätigt eine Sprecherin des Energieversorgers EnviaM, wurde es in etwa 7.000 Haushalten im Saalekreis dunkel, 2.000 davon allein in Schafstädt. Monteure des Unternehmens seien im Einsatz: „Wir versuchen zu reparieren, was geht“, erklärte die Sprecherin.

Auch Unfälle blieben bei der böigen Natur von Friederike nicht aus: Auf der Autobahn 9 stürzten gleich zwei Lastwagen um. Angaben zu Verletzten gab es nicht. Laut Verkehrswarnzentrale waren zum einen zwischen den Anschlussstellen Bad Dürrenberg und Kreuz Rippachtal sowie zwischen Weißenfels und der Raststätte Osterfeld Lastwagen von Böen erfasst und umgeworfen worden.
Auch auf der Autobahn 14 zwischen Halle-Trotha und Löbejün blockierte ein umgestürzter Laster die Fahrbahn. Bereits kurz nach Aufziehen des Orkans war auf der A 38 bei Allstedt ein Laster umgekippt. Darüber hinaus ruhte der Busverkehr im südlichen Saalekreis. Wie Lothar Riese, Chef des Busunternehmens PNVG, erklärte, habe man den Betrieb 15 Uhr in Querfurt und 15.30 Uhr in Merseburg eingestellt. Die Auswirkungen waren jedoch nicht nur auf den Straßen zu spüren, zwischen Merseburg und Querfurt verkehrten keine Züge mehr.
Unterricht und Veranstaltungen ausgefallen
Mit Blick auf die Warnungen, die bereits die Wucht des Sturmes ankündigten, wurde aber auch vorsorglich reagiert: Das Burggymnasium in Wettin hatte den Unterricht für Donnerstag bereits am Vortag komplett gestrichen, in der Borlach-Sekundarschule wurde der Unterricht um 12 Uhr eingestellt.
Der Landkreis sagte zudem das geplante Programm in den Kreismusikschulen in Merseburg, Querfurt und Halle ab. Auch die Kreisvolkshochschule blieb an all ihren Standorten wegen des Sturms geschlossen. Aufgrund des Sturms und erheblicher Schäden hat die Stadt Merseburg ihren für Donnerstagabend geplanten Neujahrsempfang abgesagt. „Der Empfang wird nachgeholt, aber wir haben jetzt andere Sorgen“, sagte Merseburgs Oberbürgermeister Jens Bühligen (CDU), der die Entscheidung mit dem Stadtratsvorsitzenden Hans-Hubert Werner getroffen hatte. (mz)