Merseburg -

Mit durchschnittlich rund 110 Feuerwehrmännern und -frauen ist die Mitgliederzahl der Freiwilligen Feuerwehr Merseburg und ihrer Ortswehren zwar in den vergangenen Jahren relativ konstant geblieben, doch was trotzdem fehlt, ist junges Blut. „Deshalb ergeben sich für die Zukunft Probleme“, sagte Stadtwehrleiter Dirk Grötzsch bei der Jahresmitgliederversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Merseburg.

 

Der Altersdurchschnitt liegt bei der Ortswehr Trebnitz aktuell bei 49,81 Jahren, in Geusa/Blösien bei 41,90. Die ehrenamtlichen Kräfte in Merseburg sind im Durchschnitt 34,81 Jahre alt, die hauptamtlichen allerdings 52,16 Jahre. Die mit Abstand jüngste Wehr ist die Beunaer mit einem Altersdurchschnitt von 29,83 Jahren. „Wo ich Bauchschmerzen bekomme, ist die Altersgruppe zwischen 18 Jahren und Mitte 20. Da fehlt es und das werden wir in den nächsten Jahren deutlich merken, wenn wir nicht gegensteuern“, so Grötzsch.

Feuerwehr Beuna: Anfang 2019 möchten wir eine Kinderfeuerwehr gründen

Diese Altersgruppe sei vor allem deshalb wichtig, weil diese Männer und Frauen jung und dynamisch seien, meist noch keine Familie hätte, „und Feuerwehr 24 Stunden rund um die Uhr macht“, so Grötzsch. Das ändere sich ja dann häufig, wenn Kinder kämen, oder man auf Montage arbeite.

Ausgerechnet die jüngste Wehr, nämlich die aus Beuna, hat eine Idee, wie man junge Leute noch mehr für die Feuerwehr begeistern kann. Hier gibt es bereits eine erfolgreiche Jugendfeuerwehr mit vier Mädchen und sechs Jungen. „Anfang 2019 möchten wir eine Kinderfeuerwehr gründen, dafür muss allerdings zunächst die Satzung geändert werden“, sagte Tony Panse der MZ. „Das wird auch Zeit, denn Merseburg ist meines Wissens die einzige Stadt im Saalekreis, die keine Kinderfeuerwehr hat.“

Feuerwehr will auch die Stadt Merseburg als Träger in die Pflicht nehmen

Um die freiwillige Feuerwehr zu stärken, will Dirk Grötzsch aber auch die Stadt Merseburg als Träger in die Pflicht nehmen. Man kenne es aus anderen Kommunen, dass Mitarbeiter der Verwaltung auch Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr sind und im Ernstfall problemlos ausrücken könnten. „In Merseburg ist nur ein Mitarbeiter vom Ordnungsamt Mitglied der freiwilligen Feuerwehr.“ Hier müssten durch die Stadt weitere Anreize geschaffen werden, um Mitarbeiter zur Mitgliedschaft zu bewegen. Bürgermeister Bellay Gatzlaff bot Grötzsch sofort an, über ein Mitglieder-Gewinnungsprogramm ins Gespräch zu kommen. „Und dann müssen wir sehen, was wir tun können“, sagte er der MZ.

611 Mal mussten die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren Merseburg, Beuna, Geusa und Trebnitz im vergangenen Jahr ausrücken. Gut 2.800 Stunden waren sie dabei im Einsatz. In 79 Fällen wurden sie zu Bränden gerufen - wie zum Beispiel zum Brand im neunten Stock des Hochhauses in der Leunaer Straße. 14 Mal wurden sie bei Verkehrsunfällen gebraucht. In 45 Fällen waren Menschen in Not, in 27 Fällen mussten Tiere gerettet werden. 372 Mal wurde anderweitig die Hilfeleistung der Feuerwehr gebraucht, allerdings gab es auch 74 Mal blinden Alarm. (mz)